Stan.L. – Datumseingabe fordert 10 km Handballentraining

Es ist einer von diesen Montagmorgen, wo Vorgesetzte Arbeit verteilen und so gar nicht an die Folgen ihres Tuns denken. Unsere Leid-Figur, nennen wir ihn Stan.L. wird ungewollt Opfer dieser arglosen Arbeitsweitergabe. Stan.L. dachte, er kenne sich gut mit dem Programm aus. Was ihn heute erwischte, war eine Keule:

Daten abtippen – mit der Hand!

Stan.L. traute seinen Ohren nicht. Hunderte von Zeilen von einem Papierandruck abtippen. Dabei bestand jede Zeile aus einem Datum, einem Code für einen Kunden und einem Geldwert. In etwa so: 23.11.2008 ♥ 3422 ♥ 90,22 DKK✔.

Vieles ging ihm in diesem Moment durch den Kopf: Wer codierte Herzchen in einem schnöden Datenandruck? Gab es einen tieferen Sinn? Hatte ihn die nächste Welle der Suez-Papers erwischt? War es an ihm, den größten Skandal der Finanzgeschichte aufzuklären? Sollte er tapfer den Berg an Daten digitalisieren, er, der, dem alle blind vertrauten?

Nach etwa 45 Minuten gewissenhafter Arbeit erreichte Stan’s Ungeduldslevel eine neue Ebene. Er registrierte, wie er über den Zehnerblock zwar recht forsch die Tage, Monate und Jahre eintippen konnte, doch nervte es ihn ungemein, dabei immer wieder zum Dezimalpunkt auf der normalen Tastatur wechseln zu müssen. Das wirkte wie ein Hemmschuh auf dem Gleis, wie eine Wespe auf dem Eis, wie das Abo-Ende beim Videostreaming, wie die leere Haushaltskasse am Monatsende: einfach nur lästig.

Die Frühstückpause nahte und Stan. wippte auf seinem Bürostuhl der Extraklasse mit Schwung galant zurück, wieder vor, zurück und wieder vor und während er so wippte, fragte er sich, wie er dieses Schattendasein im unübersichtlichen Raum zwischen Semi-Whistleblower und Datenknecht verbessern könne und währenddessen fiel er in einen flirrigen Dämmerzustand.

In diesem besonderen Bewusstseinszustand, im Niemandsland zwischen Zauberlehrling und Datenmeister, zückte er gedanklich das Lineal und maß einen Weg von 10 cm zwischen Dezimalpunkt und Zehnerblock ab. Im Vorwippen begriffen suchte er die letzte Seitennummer des vor ihm liegenden und immer noch stoisch ruhenden Stapels und nahm als letzte Seitennummer verschwommen die 532 zur Kenntnis. Er sinnierte weiter, dass ca. 50 Zeilen Daten pro Blatt vor ihm lägen und also ca 26.000 Datenzeilen. Und jedes Datum bestand aus zwei Dezimalpunkten, so daß ca. 100.000 Mal die 10 cm Handbewegung anfallen würden. Mon Dieu! Das wären ja 10 km Strecke an Handbewegungen. Da muss doch noch etwas gehen.

Langsam von seinem Erholungstrip zurückkehrend, nahm sein Großhirn wieder die normalen Funktionen auf. Luft strömte in seinen Brustkorb und Entschlossenheit breitete sich in ihm aus, dieses Dasein deutlich zu verbessern. Noch kurz einen Blick auf seinen Lieblings-Account und schnell die Werbung weitergewischt. Doch halt, da wirbt jemand mit einer besseren und effizienteren Nutzung genau des Programms, mit dem er die Daten erfaßt.

Microsoft Excel kann jeder - und wenn nicht springt studeto ein
Microsoft Excel kann jeder – und wenn nicht springt studeto ein

Er faßt sich ein Herz, ruft an, schildert seine Situation und bekommt für wenig Geld den Tipp, statt des Dezimalpunkts das Dezimalkomma auf dem Zehner-Block zu nehmen.

Das war es! Er gab nun 23,11,2012 statt 23.11.2012 in Microsoft Excel® ein und das Datum wurde durchaus korrekt angenommen.

Der Tag wurde dadurch nicht unbedingt erfreulicher, die Datenerfassung nicht spannender und Stan.L. nicht merklich motivierter, aber – und dass sei gesagt – Stan. wurde effizienter. Ein Alltagsmoment, eine knappe Einsicht in das technisch Mögliche, und 10 km weniger Handbewegung sind in so einer Situation ein Riesen-Schritt nach vorne.